
Der Tag einer Smaragdeidechse im Jahresverlauf ist ein spannendes Thema, aus diesem Grund wollen wir uns diesmal mit diesem Thema in einem Artikel beschäftigen. Smaragdeidechsen sind auch in Deutschland vorkommende Reptilien. Smaragdeidechsen sind allerdings nicht flächendeckend in der Bundesrepublik vorhanden.
Westliche Smaragdeidechse – Lacerta bilineata (Daudin, 1802)
Viel mehr gibt es ein Reliktvorkommen im Südwesten Baden-Württembergs im Kaiserstuhl. Desweiteren kommt sie an der Mosel und Nahe seit der letzten Eiszeit vor. Bei Stuttgart wurden Anfang der 1950er Jahre in zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils 50 Smaragdeidechsen aus dem Tessin ausgesetzt. Auch dieser Bestand ist bis heute dort zu beobachten. Auch bei Tübingen wurden seit vielen Jahrzehnten immer wieder westliche Smaragdeidechsen ausgesetzt. Die erste Aussetzung an diesem Ort ist 1886 erfolgt. Immer wieder gibt es einzelne oder wenige Tiere die vermutlich eingeschleppt oder bewusst ausgesetzt wurden. So kann seit wenigen Jahren auch in der Nähe von Heilbronn ab und an eine Smaragdeidechse gesichtet werden. Ob es sich dabei, wie bei den bisher genannten Vorkommen auch um die westliche Smaragdeidechse handelt ist noch ungeklärt.

Wir erhielten vor ein paar Jahren ebenfalls ein ausgewachsenes Männchen aus der Nähe von Hamm in Nordrhein-Westfalen. In dieser Gegend sind keine autochthonen Vorkommen der Art bekannt. Eine Nachsuche am Fundort brachte keine weiteren Exemplare zum Vorschein. Auch bei diesem Einzeltier ist noch ungeklärt, um welche Art es sich tatsächlich handelt.

Östliche Smaragdeidechse – Lacerta viridis (Laurenti, 1768)
Im Osten der Bundesrepublik findet man donauabwärts ab ungefähr Passau die Östliche Smaragdeidechse. Ab hier kommt sie bis ins Mündungsdelta der Donau vor. Des weiteren gibt es ebenfalls ein Reliktvorkommen in Brandenburg. Zudem gibt es Bestände in Tschechien unweit der deutschen Grenze. Hier kann man nicht ausschließen, dass vielleicht auch mal ein Tier sich auf den deutschen Boden verirrt. In Sachsen-Anhalt wurden mittlerweile auch Einzeltiere der Smaragdeidechse gesichtet und fotografisch festgehalten.

Eine hundertprozentig Unterscheidung anhand von morphologischen Unterschieden ist nicht möglich. Am ehesten kann man noch die Weibchen der beiden in Deutschland vorkommenden Arten unterscheiden. Die Weibchen brauchen teils mehrere Jahre bis sich auch diese vollständig grün färben. Die meisten westlichen Smaragdeidechsen sind vor allem durch die extreme Gelbfärbung des Bauches und außerhalb der Paarungszeit auch der Kehle von der östlichen Variante unterscheiden. Aber leider stellt auch dies keine eindeutige Bestimmung im Felde. Die einzige sichere Bestimmung im Felde stellt die unterschiedliche Kehlfärbung der frisch geschlüpften Smaragdeidechsen dar. Die Schlüpflinge der westlichen weisen eine deutlich erkennbare Grünfärbung der Kehle auf. Bei den östlichen Smaragdeidechsen sind die Jungtiere einheitlich hellgrau. Nach 6-8 Wochen ist dies aber auch kein sicherer Indikator mehr. Da holen die östlichen Vertreter dann auf.

Langschläfer in der regionalen Fauna
Reptilien sind wechselwarm und somit in erster Linie von der aktuellen Außentemperatur abhängig. Deshalb sieht man sie erst wenn die ersten Sonnenstrahlen den Untergrund bereits vorgewärmt haben. Im Frühjahr und Herbst sieht man sie meist nicht vor zehn Uhr. In den Sommermonaten kann der Tag auch schon um halb neun beginnen. Im Vergleich zu den ersten Vögel die ja schon lange vor Sonnenaufgang ihr Liedchen trillern, handelt es sich bei den Smaragdeidechsen um wahre Langschläfer. Herrschen keine optimalen Bedingungen verbleiben sie in ihrem Versteck. Bei Regen oder starkem Wind kommen sie erst gar nicht raus und spüren vermutlich den niedrigen vorherrschenden Luftdruck. Scheint allerdings die Sonne, dann legen sie sich sehr gerne erstmal in die volle Sonne , um die Vorzugstemperatur zu erreichen. Dabei sind sie nicht wählerisch.

Holz, Stein oder Gras?
Im Lauf der Jahre konnten wir bei der Smaragdeidechse keine Präferenzen des Untergrunds entdecken. Bei anderen Arten ist diese Bevorzugung des bestimmten Untergrunds oft erkennbar. Waldeidechsen sind bevorzugt auf Holz auszumachen. Sei es abgestorbenes Totholz oder auch noch lebendes Geäst. Auch bei Zauneidechsen können wir dies vor allem an den Tagen mit nicht besten Bedingungen beobachten. Smaragdeidechsen sind an den Tagen mit nicht optimalen Bedingungen erst gar nicht auszumachen, da sind es ganz schöne Mimöschen.

Einmal am morgendlichen Sonnenplatz angekommen verlassen sie diesen nur im absoluten Notfall. Jeder Sonnenstrahl wird förmlich in die noch kalten Muskeln aufgesaugt. Hier tolerieren sie die Annäherung bis auf wenige Schritte. Im Tagesverlauf nimmt die Fluchtdistanz oft drastisch zu. Der morgendliche Sonnenplatz liegt wenige Meter oft nur wenige Zentimeter neben dem nächtlichen Versteck. Der morgendliche Sonnenplatz kann sowohl auf einer Mauer, am Hang, auf einem Busch oder Baum, aber auch einfach nur auf dem schattenfreien, vorbeiführenden Weg sein. Wichtig ist hier, dass keine störenden Gräser oder Stengel auch nur den Hauch eines Schattens auf den Körpers werfen. Vor allem während der Paarungszeit kann es den Männchen hier nicht hoch genug sein. Nach ungefähr 30 Minuten haben sie ihre Vorzugstemperatur erreicht.
Futtersuche – Liebe geht schließlich durch den Magen
Als nächstes steht dann die aktive Futtersuche auf dem Plan. Ist der erste Hunger gestillt, dann gilt für den Rest des Tages, dass einfach nur noch der Beute aufgelauert wird und eine Fliege auch mal im vorbei fliegen weggehascht wird. Insekten, Spinnen, Motten und andere Falter, sowie deren Larven und Würmer werden von den grünen gefräsigen Monstern verspeist. Wählerisch sind sie dabei nicht. Eigene Jungtiere werden von den Männchen genauso gefressen wie bei den meisten anderen Eidechsen auch. Vielleicht fressen die Männchen ja auch nur die potentiellen Rivalen weg so lange sie dies noch können. Das wäre mal eine spannende Aufgabe dieser Spur nach zugehen. Denn nicht immer findet eine Reaktion statt, wenn ein potentielles Beutetier in die Nähe gerät. Bei Weibchen haben wir den Kannibalismus auch noch nicht beobachtet. Auch überreifes, weiches und süßes Obst und Gemüse wird dabei nicht verschmäht.

Ist der Bauch voll kann sich um die andere wichtige Hauptaufgabe gekümmert werden. Vor allem im Wonnemonat Mai tragen die Männchen stahlblau gefärbte Kehlen. Im weiteren Jahresverlauf verblassen diese meist. Umso höher die Dichte der Männchen, desto blauer die Kehle. Diese dient in erster Linie dem Imponiergehabe und signalisiert dem Weibchen so welches der stärkste und tollste Herr der Schöpfung ist. Die Männchen wachen jetzt möglichst hoch über ihrem Revier. Dabei sind sie oft sehr unvorsichtig und präsentieren sich oft absolut ungeschützt. Eindringende Rivalen werden angedroht und bei Missachtung des Drohgebärens aktiv angegriffen und verjagt. Gelegentlich kommt es dabei auch zu Beißereien. Der Bewegungsradius einer adulten Smaragdeidechse kann dabei bis zu 60 Quadratmeter oder mehr betragen.

Amore mio und die Probleme gehen los
Gefällt das einer passenden Dame im Revier hat der Herr gute Karten bei ihr zu landen. Mit weiteren Balzspielen punktet er weiterhin bei ihr. Die Einleitung der Paarung ist dann weniger zärtlich. Die Paarung beginnt mit einem Biss des Männchens in den Schwanz oder in die Nähe der Schwanzwurzel. Er versucht nun das Weibchen mit den Hinterbeinen zu umklammern. Dabei beisst er sich immer weiter vor, bis er im besten Fall im Nacken angekommen ist. Jetzt beginnt der eigentliche Paarungsakt. Dabei führt er einen der beiden Hemipenisse in die Kloake des Weibchens ein. Die Paarung an sich kann bis zu zehn Minuten andauern. Werden die beiden vorzeitig beispielsweise wegen einer Störung getrennt, dann ist das Männchen unweigerlich einem Prädator ausgeliefert, er wird wie in Ekstase erstmal regungslos verharren.

Hat das Männchen ein Weibchen zur Paarung bewegen können, dann sind die beiden sehr oft auch zusammen zu sehen. Manchmal könnte man dabei meinen, dass sie regelrecht kuscheln. Die beiden suchen sich tatsächlich gegenseitig und bis zur Eiablage sind die beiden immer gemeinsam zu sehen. Danach entfremden die beiden sich und gehen zumindest teilweise wieder getrennte Wege. Meist sieht man immer nur Einzeltiere, außer in den wenigen Wochen rund um die Paarung bis kurz vor die bevorstehende Eiablage.
Siesta – Smaragdeidechsen legen einen mediteranen Lebensstil an den Tag
Ab der Mittagszeit ist in der heißen Jahreszeit kaum eine Smaragdeidechse auszumachen. Jetzt sind gute Augen gefordert. Am ehesten kann man nun noch die schnelle Flucht der Tiere durch raschelndes Gebüsch vernehmen. Smaragdeidechsen kann man nun bis in eine Höhe von mehr als zwei Meter nachweisen. Ruineneidechsen konnten wir schon vielmals bis in die Baumkronen nachweisen. Wobei sich diese Art immer wieder als baumbewohnend auch präsentiert. Aber grundsätzlich lebt diese Art nahezu überall. In manch heißen Sommern haben wir oft gar keine Smaragdeidechsen sehen können. Auch in unseren Außenanlagen sehen wir dann die Tiere teils über Wochen nicht. Sie legen eine Sommerruhe ein und verbleiben in den kühlen Bodenverstecken. Dies sind oft verlassene Maus- oder Maulwurfsgänge.
Wird es am Nachmittag wieder angenehmer und die Temperaturen sinken, dann kann man auch wieder die Smaragdeidechsen auf Futtersuche ausmachen. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte sieht man dann die Eidechsen in der Nachmittagssonne die UV Strahlen und die wärmende Sonne genießen. Das sind bereits die ersten Vorbereitungen auf die bevorstehende Überwinterung. In den Frühlings- und Herbstmonaten verschwinden sie viel früher in ihre Verstecke. Vermutlich auch um ein Auskühlen auf dem Weg ins Versteck zu vermeiden. Dies stellt in der Haltung von mediterranen Arten die größte Herausforderung bei dauerhafter Außenhaltung dar. Die extrem kalten Nächte sind meist nicht das Problem, sondern die zu rasche Auskühlung in den Übergangswochen.

Hibernation – der lange Winter
Smaragdeidechsenmännchen verschwinden oft schon Mitte August ins Winterquartier. Eine aktive Nahrungsaufnahme kann man nun nicht mehr regelmäßig feststellen. Kommen Sie doch aus ihrem Versteck, dann tanken sie sich nur noch Sonne. Dies könnte man als einen Schutzreflex der Natur bezeichnen. So werden die Jungtiere aktiv vor den kannibalistischen Männchen geschützt. Die eigentliche Winterruhe wird oft in weniger tiefen Gängen verbracht als oft vermutet. Bei einer Studie wurden die Tiere schon in wenigen Zentimetern unter der Oberfläche entdeckt. Vermutlich suchen sie aber bei den Tiefsttemperaturen im Winter einen tieferen Aufenthaltsort auf. Die Weibchen sind viel länger aktiv und nehmen auch zu dieser Zeit noch Nahrung auf. Die Eiablage ist ihnen zu dieser Zeit noch anzusehen.

Ab Mitte August sind auch Jungtiere zu sehen. Diese sind nahezu unermüdlich auf Futtersuche. Für sie gilt es möglichst viel Masse vor dem herannahenden Winter aufzubauen. Die Fettreserven müssen gut gefüllt sein, sonst überleben sie den langen Winter nicht.
Aktivität in den Tropennächten
In den heißen Tropennächten konnten wir schon vielmals Smaragdeidechsen auch mitten in der Nacht sehen. Bei Temperaturen von mehr als 20° C suchen die Eidechsen ihre sonst üblichen Nachtverstecke nicht auf, sondern verbleiben an der frischen Luft. In unseren hohen Außenanlagen beobachten wir dabei, dass sie in der Nacht bewusst das Gitter hochklettern und den Luftzug aktiv aufsuchen.
Fazit
Der Tag einer Smaragdeiedechse im Jahresverlauf ist nahezu immer identisch aufgebaut. Wärme tanken – Futtersuche – Amore und im Anschluss Entspannung. Wie gerne wäre ich manchmal einfach nur eine Smaragdeidechse.

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