Feuersalamander in Marokko

Feuersalamander in Marokko? Ist es da nicht zu heiß? Vor allem zu trocken? Nein, in Marokko leben tatsächlich Feuersalamander. Kaum zu glauben – in der Nacht erwachen sie zum Leben und erscheinen an der Oberfläche. Feuersalamander in Marokko zu finden war also die oberste Prämisse der Echspedition im Februar 2026. Die Mitreisenden kannten sich hervorragend aus und waren nicht das erste Mal auf der Suche nach Feuersalamander in Marokko.

Zwischen Mondlicht und Zedern – Marokko im Ramadan
Im Jahr 2026 fiel der Ramadan auf den 18. Februar bis den 20. März. Das bedeutet: Wer im Februar nach Marokko reiste, konnte schon in den ersten Tagen den Beginn des heiligen Monats erleben. Besonders in kleineren Städten wie Taza, dem Tor zum Tazekka-Nationalpark, ist das deutlich zu spüren. Tagsüber sind Restaurants und Straßenküchen meist geschlossen, und Alkohol ist während dieser Zeit kaum erhältlich. Für Reisende, die sich darauf einstellen, bedeutet das aber keineswegs Einschränkung – sondern eine Gelegenheit, das Land authentisch und respektvoll zu erfahren.
Das Fasten verändert den Tagesrhythmus: Morgens sind die Straßen still, die Luft kühl, und das Licht zeichnet feine Linien über die Korkeichenhaine. Am Nachmittag, wenn die Sonne hinter den Hügeln des Atlas zu sinken beginnt, erwacht das Leben. Familien kehren heim, um das Iftar, das Fastenbrechen, vorzubereiten. Wer als Besucher in dieser Zeit durch die Berge wandert, erlebt diese Stimmung fast meditativ: Natur, Stille, Mondlicht – und das ferne Echo des Abendrufs aus den Tälern.

Wer zu dieser Zeit den Tazekka-Nationalpark besucht, erlebt Marokko von seiner stillsten, ursprünglichsten Seite: tiefgrüne Zedernwälder, klare Bergluft, geheimnisvolle Höhlen – und überraschende Begegnungen mit faszinierenden Tieren wie dem Feuersalamander, der Berbereidechse oder der Brilleneidechse
Der Tazekka-Nationalpark – das grüne Herz des Mittleren Atlas
Der Tazekka-Nationalpark wurde bereits 1950 gegründet und ist einer der ältesten Schutzgebiete Marokkos. Er liegt rund 20 Kilometer südöstlich der Stadt Taza und umfasst heute über 120 Quadratkilometer. Der parkdominierende Gipfel, der Djabal Tazekka, ragt fast 2000 Meter über dem Meeresspiegel auf. Von hier aus öffnet sich der Blick über ein endloses Meer aus Zedern, Eichen und steilen Felswänden – eine Landschaft, die im Winter geheimnisvoll und märchenhaft wirkt.

Im Februar liegt auf den höchsten Kuppen noch Schnee, während in tieferen Regionen schon die ersten Blüten sprießen. Das Klima ist kühl und frisch – ideal für Wanderungen und Tierbeobachtungen. Während sich viele Reisende im Frühjahr der Mandelblüte in Tafraoute widmen, ist der Tazekka im Winter eine Oase der Ruhe. Keine Touristenmassen, kein Trubel – nur das leise Knacken der alten Zedern im Wind und das Rascheln im Laub. In den beiden Wochen vor unserem Abflug in Deutschland wurde im Westen Marokkos von schweren Regenfällen berichtet, die zu schweren Überflutungen und Überschwemmungen geführt haben. Auch aus unserem Zielgebiet erreichten uns Videos mit reißenden Flüssen. Ernüchternd waren vor allem aber die Bilder mit der geschlossenen Schneedecke. Diesen Umstand assoziiert man keinesfalls mit dem vermeintlich heißen Marokko. Dabei darf man nicht vergessen, dass im hohen Atlas die Berge auf über 4000m ansteigen.

Die Chaara-Höhle – Tief unter der Erde sind die Feuersalamander in Marokko


Einer der faszinierendsten Orte des Parks ist die Chaara-Höhle, sie ist Bestandteil des großen Tropfsteinhöhlensystem Nordafrikas. Der Eingang liegt unauffällig in einem dichten Zedernwald, doch die Höhle reicht mehr als 20 Kilometer in die Erde hinein. In dieser unterirdischen Welt herrscht eine konstante Temperatur, kühle Feuchtigkeit – und, erstaunlicherweise, Leben. Die ersten Meter fallen fast senkrecht ab. Ein paar trügerische Treppenstufen sollen den Einstieg erleichtern. Bereits nach der dritten Stufe war meine Wathose mit dem roten Schlamm eingesaut. Wer mich kennt weiss, dass bereits hier die Aktion für mich gedanklich beendet war. Ich hasse nichts mehr als Dreck an den Händen. Na gut: Ja – Boot Fahren ist schlimmer!



Hier, in den dunklen Feuchtgebieten der Höhle, findet man gelegentlich den Feuersalamander (Salamandra algira atlantica ), eine der wenigen Amphibienarten Nordafrikas, die sich an das Gebirgsklima angepasst hat. Seine schwarz-gelbe Zeichnung leuchtet fast unheimlich im Licht der Stirnlampe – ein beeindruckendes Zeugnis für die Anpassungsfähigkeit der Tierwelt Marokkos. Er bevorzugt die kühlen, tropfenden Wände der Höhle, wo er sich von kleinen Insekten und Schnecken ernährt. Zudem überraschen einige Echsemplare mit einer dritten Farbe. Sie zeigen einen wunderschönen dunkelroten Farbton, wie man auf dem Titelbild von diesem Artikel es erkennen kann.
Somit ging es weiter hinab und während dem gesamten Höhlenspaziergang ließ mich der Gedanke nicht los, wie ich jemals wieder diesen steilen Anstieg hochkommen soll. Wir haben es ungefähr 550 m in die Höhle geschafft. Meine Wathose hatte genau die richtige Länge. Das Schmelzwasser sorgte für einen übermäßigen Wasserstand des Baches in der Chaara-Höhle. Ein Zentimeter blieb übrig, damit ich die Höhle auch wieder komplett trocken verlassen konnte. Ich war froh, dass die Mitreisenden keinen starken Wellengang verursacht haben. Bis zum versteinerten Gavialkopf haben wir es geschafft. Danach war der Wasserstand zu hoch.


Terra Typica von Salamandra algira atlantica
Der angeordnete Helm war auch nicht die schlechteste Idee. Mindestens dreimal hat er mich vor einer Kopfverletzung geschützt. Das Wandern in absoluter Dunkelheit ist anstrengend. Der Lichtkegel meiner echt guten Stirnlampe war eigentlich viel zu klein. Dennoch die Strapazen führten zum vollen Erfolg. Die Chaara-Höhle gilt als Terra typica des Salamandra algira atlantica und wir wurden fündig. Wir haben trotz des Hochwassers in der Höhle zwei Echsemplare des Feuersalamanders finden können. Da war das vorzeitige Umkehren kein Problem. Wir legten unser Leben in die Hände unseres Guides. Jamal ist hier aufgewachsen und kennt die Höhle wie seine Westentasche. Sein längster Aufenthalt in der Höhle betrug mehr als 20 Stunden. Er drang auch schon mehr als 20 Kilometer in die Höhle vor und kennt mehrere Stellen der Feuersalamnder auch außerhalb der Höhle.

Manchmal kann man mit etwas Glück auch in den feuchteren Übergangszonen Fledermäuse beobachten, die sich an den Decken sammeln. Ihr Flattern mischt sich mit dem Tropfen des Wassers – ein fast musikalischer Klang, der die Grotte erfüllt.
Feuersalamander in Marokko
Salamandra algira atlantica lebt im Tazekka Nationalpark. An mehreren Stellen konnten wir die Art in den Nächten antreffen. Im Februar setzen die Weibchen die Larven in den Gewässern ab. Unglaublich welche Strapazen sie dabei auf sich nehmen. Wir konnten mehrere Weibchen beim nahezu senkrechten Klettern nach der Larvenabgabe am steilen Fels beobachten. Feuersalamander in Marokko sind anscheinend anders. Ein derartiges Verhalten kenn ich von den Tieren bei uns im Schwarzwald nicht.

Salamandra algira splendens konnten wir mehrfach nördlich von Fes nachweisen und ausgiebig beobachten. Hier sahen wir auch im selben Lebensraum die Berberkröte (Scelorophrys mauritanica). Unter einem Stein erspähten wir eine Doppelschleiche (Blanus tingitanus).



Eine dritte Unterart des marokkanischen Feuersalamanders (Slamandra algira spelaea) östlich von Berkane blieb uns verborgen. Für die vierte Unterart Salamandra algira tingitana verblieb leider keine Zeit. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Kleine Drachen im Sonnenlicht – Berbereidechse, Brilleneidechse und Co.
Sobald man den Wald verlässt und auf die wärmeren Hänge rund um den Djabal Tazekka gelangt, begegnet man einer erstaunlichen Vielfalt an Reptilien. Der Februar ist kühl, aber an sonnigen Tagen kann man sie beobachten, wie sie träge auf warmen Steinen liegen und Energie tanken. Dennoch hat es diese Art uns besonders schwer gemacht. Erst am letzten Spot vor der Abreise hat sie es uns ermöglicht mit einem Bild heimzufliegen.


Besonders typisch ist die Berbereidechse (Timon tangitanus). Sie ist in Marokko endemisch und beeindruckt durch ihre grünlich-blaue Färbung, die im Sonnenlicht metallisch schimmert. In lichten Wäldern und Geröllzonen ist sie anzutreffen. Uns gegenüber waren die Tiere echstrem scheu und wenig zutraulich.


Ebenfalls verbreitet ist die Brilleneidechse (Scealarcis perspicillata), die man oft an Steinmauern oder in aufgegebenen Terrassenfeldern herumhuschen sieht. Ihr Name rührt von den auffälligen dunklen Augenringen her, die sie „brillentragend“ erscheinen lassen. Sie ist ein typischer Kulturfolger – gern in der Nähe menschlicher Siedlungen, also auch im Dorfgebiet rund um Taza. Dasselbe ist auch auf die südiberische Mauereidechse (Podarcis vaucheri) zutreffend. Deren Verbreitungsgebiet liegt hier am östlichen Ende. Beide Arten haben wir in großen Stückzahlen angetroffen und konnten vielerorts nachgewiesen werden.


In den felsigen Tälern bei Berkane konnten wir zu dieser Zeit auch Echsemplare von Stenodactylus mauritanicus, einer kleinen, zierlichen Geckoart, nachweisen. Ihr feingliedriger Körper und die großen Augen machen sie perfekt angepasst an das Nachtleben der Steppe. Während des Ramadanabends, wenn das Land stiller wird und die Temperaturen fallen, kann man sie mit Taschenlampe betrachten – ein friedlicher, fast meditativer Akt der Beobachtung. Mit dem Mauergecko (Tarentola mauritanica) konnten wir eine weitere nachtaktive Art nachweisen.



Eine seltene Begegnung bei Berkane – die Schachbrett-Doppelschleiche
Auf einer Echskursion weiter östlich, bei Berkane nahe der algerischen Grenze, wurde im Februar 2026 eine Schachbrett-Doppelschleiche (Trogonophis wiegmanni) gesichtet. Diese seltene, grabende Echse erinnert auf den ersten Blick an einen Wurm, doch sie ist ein faszinierendes Bindeglied zwischen Reptilien und unterirdischer Lebensweise. Ihr schachbrettartiges Schuppenmuster macht sie unverwechselbar. Sie lebt meist im losen Erdreich unter Steinen oder in alten Ameisenhügeln. Beobachtungen dieser Art sind nicht alltäglich – ein Glück für jeden Naturfreund.

Die Entdeckung dieser Tiere zeigt, wie reichhaltig und vielfältig Marokkos Fauna ist, selbst mitten im Winter. Während viele Menschen glauben, dass in der kalten Jahreszeit kaum Tiere aktiv sind, beweist der Tazekka das Gegenteil: Auch jetzt regt sich das Leben unter der Erde, zwischen den Steinen, in den Wäldern und in der Dunkelheit der Höhlen.


Im selben Biotop konnten wir eine Skinkart nachweisen. Bei diesen Glattechsen handelt es sich um eine Unterart des Walzenskinks. Chalcides ocellatus subvirids lebt hier nahe der Grenz zu Algerien. Zudem wurden hier ebenfalls maurische Landschildkröten (Testudo graeca) und die Atlasagame (Agama bibroni) anhand von mehreren Echsemplaren von uns nachgewiesen.


Ein ebenfalls interessanter Fund ist uns auch mit dem Nachweis der Kapuzennatter (Macroprotodon cucullatus) gelungen.

Leben ohne Essen – Respekt während des Ramadan
Der Ramadan lehrt Geduld, Respekt und Achtsamkeit – Werte, die perfekt zu einem Aufenthalt in der stillen Natur passen. Besucher sollten diese besondere Zeit in Marokko mit Sensibilität begegnen: tagsüber auf offenes Essen und Trinken in der Öffentlichkeit verzichten, Alkohol ruhen lassen und den Menschen Raum für ihr Ritual geben. Im Vergleich zu den großen Basaren und Märkten in den Städten vor dem Ramadan ist es nun sehr ruhig geworden. Der Duft nach Gewürzen, frischem Gemüse und reifem Obst ist verschwunden. Abends dagegen öffnen sich die Türen: in Taza etwa, wo nach Sonnenuntergang das Leben erwacht. Dann duftet es nach Suppe, Datteln und Minztee; durch die schmalen Gassen ziehen Familien lachend mit Tabletts voller Gebäck zum nächsten Haus.

Die marokkanische Teekultur ist vom Minztee geprägt. Die Grundlage bildet allerdings ein Grüner Tee, der mit frischer Minze abgerundet wird. Dabei wird echstrem viel Zucker untergemischt. Der Tee wird nicht gerührt, sondern so lange wieder in die Kanne zurückgekippt, bis der Riesen-Zuckerwürfel komplett aufgelöst ist.

Für den Reisenden, der tagsüber in der Einsamkeit des Nationalparks wandert, ist es fast poetisch, abends an dieser Freude teilzuhaben – in der Gewissheit, ein Land erlebt zu haben, das seine Traditionen achtet und seine Gäste dennoch willkommen heißt.
Das Zeichen der Liebe und Anerkennung
Am Freitag gab es Couscous. Als Zeichen der Zuneigung wird dieses Gericht traditionell freitags gereicht. Das Frühstück wurde uns immer üppig aufgetischt. Die Abendessen waren geprägt von Gemüse, klassisch in der Tajine zubereitet, dazu gab es immer Fleisch. Hähnchen, Rind und auch Pute oder Schaf sind hier auf dem Speiseplan zu finden.

Unser Hauptquartier für die Echspeditionen richteten wir auf 1350m üNN am Rande des Tazekka Nationalparks ein. Leider war unsere Unterkunft nicht besonders gut beheizt. Wenn man negativ darüber berichten möchte, dann würde man vermutlich sagen sie war überhaupt nicht beheizt. Aber es war auf jeden Fall eine authentische Unterkunft, welche im Nachhinein den puristischen Flair des Landes widerspiegelt. Bei nächtlichen Außentemperaturen um den Gefrierpunkt, schaffte es die grandiose Isolierung des Hauses auf eine Innentemperatur von fast 5°C. Für mich waren es jedenfalls die kältesten Nächte meines Lebens. Die Dusche bot allerdings warmes Wasser. Als fließend würde ich es jetzt nicht unbedingt bezeichnen. Aber es war tröpfelndes, warmes Wasser.



Fazit – Feuersalamander in Marokko kann man finden
Im Februar liegt Marokko zwischen Winter und Frühling, zwischen alten Zedern und blühenden Mandelbäumen, zwischen Stille und Fest. Im Tazekka-Nationalpark zeigt sich die Essenz des Landes: wilde Natur, Geologie, Tiefe – und Spiritualität. Während über den Zedern der Mond des Ramadan steht, erwachen die Feuersalamander in den Höhlen, die Eidechsen sonnen sich an den Felsen, und die Menschen bereiten sich auf das abendliche Mahl vor.



Wer in dieser Zeit reist, erlebt mehr als nur Landschaft – er erlebt ein Land im Gleichgewicht zwischen Glauben und Natur, Entschleunigung und Leben. Tazekka steht für das, was Marokko so besonders macht: ein Ort, wo selbst das „Nichts“ – das Rascheln der Blätter, der Ruf eines Vogels, das leuchtende Gelb eines Salamanders in der Dunkelheit – plötzlich alles bedeutet. Feuersalamander in Marokko zu finden ist also nicht unmöglich. Wir haben es geschafft.

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