Schildkrötenauffangstation Stuttgart – Echskursion nach Stuttgart

Der Wasserstern Augsburg e.V., einer der traditionsreichsten und ältesten Reptilienvereine Deutschlands, steht seit Jahrzehnten für fundierte Herpetologie, engagierten Naturschutz und die Leidenschaft für Amphibien und Reptilien. Am 2. Mai 2026 unternahm der Verein eine fachlich wie gemeinschaftlich bereichernde Exkursion in den Raum Stuttgart. Ziel war es, sowohl freilebende Reptilien in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten als auch Einblicke in moderne Haltungs- und Auffangkonzepte für Schildkröten in der Schildkrötenauffangstation Stuttgart zu gewinnen.

Bereits in den frühen Morgenstunden machte sich die Gruppe auf den Weg. Die Vorfreude war groß, denn das Programm versprach eine gelungene Kombination aus Freilandbeobachtung und fachlicher Führung durch eine der bekanntesten Auffangstationen für Reptilien in Süddeutschland. Neben erfahrenen Vereinsmitgliedern nahmen auch einige neue Interessierte und Freunde des Vereins teil, was den Austausch zusätzlich bereicherte.

Vormittag: Begegnung mit der westlichen Smaragdeidechse
Der erste Programmpunkt führte die Gruppe in ein Gebiet nahe Stuttgart, das für seine Vorkommen der westlichen Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) bekannt ist. Diese beeindruckende Eidechsenart gehört zu den größten in Mitteleuropa vorkommenden Echsen und zeichnet sich durch ihre leuchtend grüne Färbung aus, die besonders bei den Männchen während der Paarungszeit intensiv hervortritt.

Vor Ort wurden die Teilnehmer von Andreas Schäberle empfangen, einem ausgewiesenen Kenner der lokalen Herpetofauna und Schriftführer des Wasserstern Augsburg 1904 e.V. Mit viel Engagement und Fachwissen führte er die Gruppe in die Besonderheiten des Lebensraums der Smaragdeidechsen ein. Die Tiere bevorzugen strukturreiche, sonnenexponierte Lebensräume mit dichter Vegetation, Steinhaufen und Trockenmauern, die sowohl Versteckmöglichkeiten als auch Sonnenplätze bieten.

Anwohner füttert die Smaragdeidechsen im Garten
Ein besonderes Highlight war die Teilnahme an der Fütterung der freilebenden Smaragdeidechsen. Herr Mangold ist Anwohner und er erbrachte den entscheidenden Hinweis für die Klärung der Herkunft der in Stuttgart lebenden Smaragdeidechsen. Ein Jugendfreund von ihm setzte Anfang der 1950er Jahre in zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils 50 Smaragdeidechsen aus dem Tessin frei. Herr Guntram Deichsel veröffentlichte dazu im Jahr 2021 einen Artikel. Herr Magold rief in seinem Garten nach Hänsel und Gretel, so nennt er seine Smaragdeidechsenpaar im Garten. Leider war der Lebensraum der beiden noch zu sehr im Schatten. Aber seinem Ruf ist der Jockel gefolgt. Er ist ein Sohn von Hänsel und Gretel und nahm die ihm zugeworfenen Mehlwürmer dankend an. Jockel ist eindeutig an dem geknickten Schwanz zu erkennen, schilderte Mangold.
Er erläuterte dabei nicht nur das Verhalten der Tiere, sondern auch die Herausforderungen, die mit dem Schutz solcher Populationen einhergehen. Obwohl die Tiere in freier Wildbahn leben, wird durch gezielte Maßnahmen sichergestellt, dass sie unter optimalen Bedingungen existieren können. Die Gruppe konnte mehrere Individuen beobachten, die sich zunächst vorsichtig zeigten, dann aber zunehmend aktiver wurden. Es sollte dennoch nicht unerwähnt bleiben, dass die Smaragdeidechsen hier in Stuttgart gebietsfremd sind.
In einem Artikel von Guntram Deichsel könnt ihr mehr über die Herkunft erfahren:

Die Begleitfauna ist auch für Echsperten interessant
Neben den Smaragdeidechsen wurden auch zahlreiche Mauereidechsen (Podarcis muralis) gesichtet. Diese kleineren, sehr anpassungsfähigen Eidechsen sind in vielen Teilen Europas verbreitet und nutzen ähnliche Habitate, zeigen jedoch ein deutlich anderes Verhalten. Während die Smaragdeidechsen eher scheu und zurückhaltend sind, präsentierten sich die Mauereidechsen lebhaft und neugierig. Auch diese Art ist in und um Stuttgart eingeschleppt und invasiv.

Ein weiteres bemerkenswertes Fundstück war eine einjährige Blindschleiche (Anguis fragilis). Trotz ihres schlangenartigen Aussehens handelt es sich bei der Blindschleiche um eine beinlose Echse. Ihr Nachweis unterstreicht die hohe Biodiversität des besuchten Gebietes. Besonders für jüngere Teilnehmer war dies eine spannende Gelegenheit, Unterschiede zwischen Schlangen und beinlosen Echsen direkt im Gelände zu erkennen.

Unterwegs: Wildschweingehege und Waldeidechsen
Auf dem Weg zur nächsten Station legte die Gruppe einen Zwischenstopp an einem Wildschweingehege ein. Dieser spontane Halt erwies sich als ebenso interessant wie lehrreich. Neben der Beobachtung der imposanten Wildschweine bot das Umfeld auch geeignete Bedingungen für weitere Reptilienarten.Die Frischliinge blieben uns leider verborgen.
Tatsächlich gelang es den Teilnehmern, mehrere Waldeidechsen (Zootoca vivipara) nachzuweisen. Diese Art ist im Vergleich zu den zuvor beobachteten Eidechsen deutlich kleiner und bevorzugt kühlere, feuchtere Lebensräume. Sie ist besonders bemerkenswert, da sie – im Gegensatz zu den meisten anderen Reptilien Europas – lebendgebärend ist. Dieses Anpassungsmerkmal ermöglicht es ihr, auch in höheren Lagen und kühleren Regionen erfolgreich zu überleben.

Die Sichtung der Waldeidechsen bot eine ausgezeichnete Gelegenheit, über ökologische Nischen und Anpassungsstrategien zu sprechen. Die Teilnehmer diskutierten die Unterschiede zwischen den Arten und reflektierten die Bedeutung vielfältiger Lebensräume für den Erhalt der Biodiversität.
Am Parkplatz sind auch hier wieder Mauereidechsen zu sehen.

Nachmittag: Besuch der Schildkrötenauffangstation Stuttgart
Am Nachmittag erreichte die Gruppe die Schildkrötenauffangstation Stuttgart, die sich seit vielen Jahren der Aufnahme, Pflege und Weitervermittlung von Schildkröten widmet. Die Einrichtung spielt eine wichtige Rolle im Tierschutz, da viele Schildkröten aus nicht artgerechter Haltung stammen oder ausgesetzt wurden.

Die Führung wurde von der Stationsleitung Chris Ker geleitet, die mit großer Fachkenntnis und Leidenschaft durch die Anlage führte. Bereits zu Beginn wurde deutlich, wie komplex und anspruchsvoll die Haltung von Schildkröten ist. Viele der aufgenommenen Tiere haben eine lange Leidensgeschichte hinter sich, was besondere Anforderungen an Pflege und Rehabilitation stellt. Im Vordergrund steht die Vermittlung an geeignete Halter.
Während des Rundgangs konnten die Teilnehmer eine beeindruckende Vielfalt an Schildkrötenarten beobachten. Dazu gehörten unter anderem die griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni), die zu den häufigsten in Privathaltung vorkommenden Arten zählen. Chris Ker erläuterte die Unterschiede zwischen den verschiedenen Unterarten sowie deren spezifische Bedürfnisse hinsichtlich Klima, Ernährung und Gehegegestaltung.
Tropische Schildkröten in der Auffangstation
Ein weiteres Highlight waren die indischen Sternschildkröten (Geochelone elegans), deren auffällige Panzerzeichnung sofort ins Auge fällt. Diese Art stellt besonders hohe Anforderungen an Temperatur und Luftfeuchtigkeit, weshalb ihre Haltung als anspruchsvoll gilt. Diese Schildkröten sind ganzjährig aktiv und benötigen entsprechend gestaltete Innenräume. Dies gilt auch für die folgenden Arten.
Ebenso beeindruckend waren die madagassischen Strahlenschildkröten (Astrochelys radiata), die durch ihre markante, strahlenförmige Panzerzeichnung zu den schönsten Schildkrötenarten der Welt zählen. Leider sind sie in ihrer Heimat stark bedroht, was ihre Präsenz in der Auffangstation umso bedeutsamer macht.

Auch südamerikanische Köhlerschildkröten (Chelonoidis carbonaria) konnten beobachtet werden. Diese Art ist für ihre Anpassungsfähigkeit bekannt und zeigt ein vergleichsweise aktives Verhalten. Ihre Haltung unterscheidet sich deutlich von der europäischer Landschildkröten, insbesondere in Bezug auf Ernährung und Feuchtigkeitsbedarf. Sie sind omnivor zu ernähren, das bedeutet sie benötigen auch karnivore Kost. Chris Ker stellt dies in Form von Pellets mit karnivorem Inhalt sicher.

Darüber hinaus beherbergt die Station maurische Landschildkröten (Testudo graeca), die in verschiedenen Unterarten vorkommen und entsprechend unterschiedliche Ansprüche haben. Besonders interessant war die Beobachtung junger Pantherschildkröten (Stigmochelys pardalis), deren Wachstum und Entwicklung anschaulich erklärt wurden.
Schildkrötenauffangstation Stuttgart: Haltung und Fütterung
Ein zentraler Bestandteil der Führung waren die aktuellen Erkenntnisse zur Haltung und Fütterung von Schildkröten. Chris Ker ging ausführlich auf die häufigsten Fehler in der Privathaltung ein, darunter falsche Ernährung, unzureichende UV-Versorgung und ungeeignete Gehege.
Besonders betont wurde die Bedeutung einer naturnahen Haltung. Schildkröten benötigen strukturierte Gehege mit Sonnen- und Schattenplätzen, geeigneten Substraten und Rückzugsmöglichkeiten. Auch die saisonalen Rhythmen spielen eine wichtige Rolle, insbesondere bei europäischen Arten, die eine Winterruhe benötigen.
In Bezug auf die Ernährung wurde hervorgehoben, dass viele Schildkrötenarten auf eine pflanzenreiche, ballaststoffreiche Kost angewiesen sind. Vor allem ein hoher Rohfaseranteil sollte in dem Futter vorhanden sein. Fehlernährung kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen, darunter Panzerdeformationen und Stoffwechselerkrankungen. Genauso wichtig ist die immer vorhandene und zugängliche Wasserschale. Mindestens genauso wichtig ist bei einer Schildkröte der Zugang zu Kalzium. Die beste Möglichkeit bietet zum einen Algenkalk und zum Anderen sicherlich Sepiaschale.
Die Teilnehmer zeigten großes Interesse an diesen Themen und nutzten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen. Der Austausch zwischen Vereinsmitgliedern und der Expertin vor Ort war intensiv und bereichernd.
In der Schildkrötenauffangstation Stuttgart gibt es auch die drittgrößte Schildkrötenart
Besonders imposant präsentierte sich im Verlauf der Führung auch die Haltung durch die Schildkrötenauffangstation Stuttgart einer der größten Landschildkrötenarten weltweit. Die afrikanischen Spornschildkröten (Centrochelys sulcata), die als drittgrößte Landschildkrötenart der Erde gelten, beeindruckten die Teilnehmer nicht nur durch ihre schiere Größe, sondern auch durch ihr ruhiges, zugleich aber sehr bestimmtes Verhalten. In der Schildkrötenauffangstation Stuttgart werden diese Tiere unter außergewöhnlich naturnahen Bedingungen gehalten.

Ein bemerkenswerter Aspekt der Haltung ist die ganzjährige Unterbringung im Außengehege in der Schildkrötenauffangstation Stuttgart. Anders als viele andere exotische Arten, die in Mitteleuropa ausschließlich in Innenanlagen gehalten werden, leben die Spornschildkröten hier dauerhaft im Gartenbereich der Station. Voraussetzung dafür ist ein durchdachtes Haltungskonzept, das sowohl den klimatischen Herausforderungen als auch den biologischen Bedürfnissen dieser Tiere gerecht wird. Herzstück dieses Konzepts ist ein großzügiges, beheiztes Gewächshaus, das den Schildkröten das ganze Jahr über als Rückzugsort dient. Es ermöglicht ihnen, ihre Körpertemperatur aktiv zu regulieren und auch bei niedrigen Außentemperaturen ein geeignetes Mikroklima aufzusuchen.
Der Winter ist der Sommer
Besonders interessant war für die Teilnehmer die Erkenntnis, dass die Hauptaktivitätszeit der afrikanischen Spornschildkröten in unseren Breiten nicht – wie oft angenommen – im Hochsommer liegt, sondern vielmehr in den kühleren Monaten. Während der europäischen Wintermonate zeigen die Tiere in der Auffangstation eine erhöhte Aktivität, was mit den klimatischen Bedingungen ihrer natürlichen Herkunftsgebiete in der Sahelzone zusammenhängt. Dort sind die Temperaturen zwar hoch, doch die Aktivitätsphasen orientieren sich stark an Niederschlagsmustern und moderateren Temperaturabschnitten. Diese Zusammenhänge wurden von Chris Ker anschaulich erläutert und sorgten für lebhafte Diskussionen innerhalb der Gruppe.
Auch die Größe und das Wachstumspotenzial dieser Art wurden thematisiert. Afrikanische Spornschildkröten können ein Gewicht von über 50 Kilogramm erreichen und benötigen entsprechend viel Platz sowie eine stabile Gehegestruktur. Die Teilnehmer konnten sich vor Ort ein eindrucksvolles Bild davon machen, welche Anforderungen eine artgerechte Haltung dieser Tiere tatsächlich mit sich bringt – ein Aspekt, der in der privaten Tierhaltung häufig unterschätzt wird.
Im Anschluß geselliges Beisammensein
Nach dem intensiven und lehrreichen Programm in der Auffangstation klang der Tag in geselliger Runde aus. Der Verein begab sich am Abend in das nahegelegene Restaurant Paros, wo bereits ein gemeinsames Abendessen vorbereitet war. In angenehmer Atmosphäre bot sich die Gelegenheit, die zahlreichen Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen.
Die Gespräche an den Tischen waren geprägt von fachlichem Austausch, persönlichen Beobachtungen und weiterführenden Diskussionen zu den Themen des Tages. Besonders erfreulich war, dass auch Chris Ker an dem Abend teilnahm. Ihre Anwesenheit wurde von den Vereinsmitgliedern sehr geschätzt, da sich so viele der am Nachmittag angesprochenen Themen vertiefen ließen. In entspannter Umgebung konnten Fragen ausführlicher besprochen, Erfahrungen ausgetauscht und neue Perspektiven entwickelt werden.
Der Abend entwickelte sich zu einem lebendigen Forum für herpetologische Themen, in dem sowohl erfahrene Halter als auch Neueinsteiger voneinander profitierten. Dabei ging es nicht nur um konkrete Haltungsfragen, sondern auch um übergeordnete Aspekte wie Artenschutz, gesetzliche Rahmenbedingungen und die Verantwortung von Haltern gegenüber ihren Tieren.
So endete der Vereinsausflug des Wasserstern Augsburg e.V. nicht nur mit einem kulinarischen Abschluss, sondern auch mit einer intensiven fachlichen Vertiefung, die den Tag inhaltlich abrundete. Die Kombination aus praktischen Beobachtungen, wissenschaftlichem Input und kollegialem Austausch machte diesen Ausflug zu einem besonders gelungenen Ereignis im Vereinsjahr.
Gemeinschaft und Fazit
Neben den fachlichen Inhalten spielte auch der gemeinschaftliche Aspekt eine wichtige Rolle. Die Exkursion bot zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch, zur Diskussion und zum gegenseitigen Lernen. Besonders für neue Mitglieder war es eine wertvolle Erfahrung, Teil einer so engagierten Gemeinschaft zu sein.

Der Ausflug des Wasserstern Augsburg e.V. am 2. Mai 2026 war ein voller Erfolg. Er verband auf gelungene Weise Naturerlebnis, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktischen Tierschutz. Die Beobachtungen im Freiland sowie die Einblicke in die Arbeit der Auffangstation verdeutlichten einmal mehr die Bedeutung des Engagements für den Schutz von Reptilien.
Mit vielen neuen Eindrücken und erweitertem Wissen trat die Gruppe am Abend die Heimreise an. Die Exkursion wird den Teilnehmern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben und bildet eine wertvolle Grundlage für zukünftige Aktivitäten des Vereins.
Wir bedanken uns bei Chris Ker und ihrer Schildkrötenauffangstation Stuttgart für den großartigen Nachmittag und wir hoffen, dass wir euch neugierig machen konnten.
Natürlich freuen wir uns auch über jeden Besuch der Vereinswebseite vom Wasserstern Augsburg. Spenden sind hier willkommen und wir freuen uns über jedes neue Mitglied. Schaut einfach mal am Samstagnachmittag ab 14 Uhr in der Freianlage vom Verein in der Ferdinand-Halbeck-Strasse 56 in Augsburg vorbei.
In unserem Blog veröffentlichen wir immer zeitnah Erlebnisse aus unserem Leben. Auf unserer Webseite könnt ihr mehr über uns erfahren und in unserem Shop bieten wir euch neben unseren Büchern auch viele coole Shirts an.

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