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Smaragdeidechsen im Hitzesommer 2026 – Wie verändert die extreme Hitze den Jahresrhythmus?
Eidechsen, Lacerta

Smaragdeidechsen im Hitzesommer 2026 – Wie verändert die extreme Hitze den Jahresrhythmus?

Der Hitzesommer 2026 stellt die Natur im Südwesten Deutschlands vor große Herausforderungen. Seit mehr als acht Wochen liegen die Tagestemperaturen immer wieder über 30 °C. Gleichzeitig sind Niederschläge nahezu ausgeblieben. Die Folge sind ausgetrocknete Böden und außergewöhnliche Bedingungen für viele Tier- und Pflanzenarten.

Am 02.08.2026 konnten wir bei Tübingen die ersten vier Schlüpflinge der Westlichen Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) beobachten. Damit erfolgte der Schlupf etwa 7 bis 21 Tage früher als in den vergangenen Jahren. Diese ungewöhnlich frühe Entwicklung wirft spannende Fragen auf: Wie beeinflusst der Hitzesommer 2026 den Jahresrhythmus der Smaragdeidechsen? Genau das möchten wir gemeinsam mit euch im Rahmen unseres Citizen-Science-Projekts untersuchen.

Frühere Schlüpflinge – beginnt auch die Winterruhe früher?

Unsere bisherigen Beobachtungen zeigen, dass die adulten Männchen zum Zeitpunkt des Schlupfes bereits auffallend träge sind. Sie bewegen sich oft nur noch wenige Zentimeter im Umfeld ihrer späteren Überwinterungsquartiere und stellen die Nahrungsaufnahme weitgehend ein.

Möglicherweise ist dieses Verhalten im Laufe der Evolution entstanden und dient dem Schutz der Jungtiere. Bei anderen Eidechsenarten, beispielsweise der Mauereidechse, ist Kannibalismus regelmäßig nachweisbar. Bei Smaragdeidechsen scheint dieses Verhalten in Jahren mit einem normalen Jahresverlauf dagegen deutlich seltener aufzutreten.

Hier konnten wir die ersten vier Schlüpflinge am 02.08.2026 beobachten

Auch am 02.08.2026 konnten wir mehrere Männchen bereits in unmittelbarer Nähe potenzieller Hibernationsquartiere beobachten. Zudem war ihre typische grüne Färbung bereits deutlich in Richtung Winterkleid umgefärbt, die blauen Kehlen aus dem Paarungskleid sind vollständig verblasst.

Zum Vergleich: Bei den Brandenburger Populationen der Östlichen Smaragdeidechse (Lacerta viridis) konnten wir im vergangenen Jahr noch am 26. August Männchen beobachten, die sich unmittelbar vor der Winterruhe befanden. Zu diesem Zeitpunkt waren dort allerdings noch keine Schlüpflinge zu entdecken.

Eure Beobachtungen sind gefragt!

Um besser zu verstehen, wie sich der Hitzesommer auf die Smaragdeidechsen auswirkt, benötigen wir möglichst viele Beobachtungen aus unterschiedlichen Regionen.

Bitte achtet besonders auf folgende Punkte:

  • Wurde Kannibalismus häufiger beobachtet als in früheren Jahren?
  • Wann habt ihr die ersten Schlüpflinge in diesem Jahr gesehen?
  • Bis zu welchem Zeitpunkt konntet ihr adulte Männchen beobachten?

Jede einzelne Beobachtung hilft dabei, Veränderungen im Jahresrhythmus der Smaragdeidechsen besser zu verstehen.

Welche Folgen hat der frühe Schlupf?

Besonders spannend wird das kommende Frühjahr. Durch den deutlich früheren Schlupf könnten die Jungtiere zwei bis drei Wochen länger Nahrung aufnehmen und dadurch erheblich größer und somit auch stärker in ihre erste Winterruhe gehen. Das könnte ihre Überlebenschancen verbessern.

Smaragdeidechsen im Hitzesommer

Ebenso interessant ist die Frage, wie sich die lange Hitzeperiode auf die adulten Männchen auswirkt. Überstehen sie eine möglicherweise verlängerte Winterruhe problemlos? Oder könnte es im nächsten Frühjahr weniger paarungsfähige Männchen geben?

Diese Fragen lassen sich nur durch langfristige Beobachtungen beantworten.

Wir freuen uns daher über möglichst viele Meldungen aus den Lebensräumen der Smaragdeidechsen. Teilt diesen Aufruf gerne mit anderen Naturfreunden und Herpetologen. Je mehr Daten wir aus unterschiedlichen Biotopen sammeln, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse unseres Citizen-Science-Projekts.

Smaragdeidechsen im Wald – ein weiterer Forschungsschwerpunkt

Ein zweiter Schwerpunkt unseres Projekts beschäftigt sich mit Smaragdeidechsen in Waldlebensräumen.

Westliche Smaragdeidechse im Wald

Erstmals wurden wir in Spanien auf eine Population aufmerksam, die in einem Eichenwald lebte. Daraufhin untersuchten wir gezielt Waldgebiete innerhalb der natürlichen Verbreitungsgebiete der Arten in Deutschland.

Tatsächlich konnten wir Lacerta bilineata sowohl im Kaiserstuhl als auch im Mittelrheintal in Eichenwäldern nachweisen. Auch die Vorkommen an der Mosel und im Nahetal sind eng mit lichten Laubwäldern sowie strukturreichen Strauchbeständen verbunden.

Der Wald im Hintergrund ist regelrecht durchsetzt mit Westlichen Smaragdeidechsen

Neu hinzugekommen sind inzwischen Populationen in den Eichenwäldern bei Tübingen. Dort konnten wir beobachten, wie Smaragdeidechsen bei der Flucht mehrere Meter hoch auf Bäume kletterten – ein Verhalten, das bislang nur selten dokumentiert wurde.

Auch die Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis) konnten wir bereits mehrfach in Waldlebensräumen nachweisen. Populationen in Ungarn, Tschechien sowie in Brandenburg nutzen ebenfalls Wälder als Lebensraum. Die Brandenburger Tiere meiden allerdings geschlossene Kiefernforste und leben stattdessen bevorzugt in offenen Heidelandschaften. Auch bei Passau gelangen inzwischen Nachweise von Smaragdeidechsen im Wald.

Smaragdeidechse im Eichenwald
Westliche Smaragdeidechse mindestens 100m vom Waldrand entfernt.

Leben Smaragdeidechsen dauerhaft im Wald?

Eine zentrale Frage unseres Projekts lautet:

Nutzen Smaragdeidechsen den Wald ganzjährig als Lebensraum oder ziehen sie sich lediglich während extremer Hitzeperioden in die kühleren Waldgebiete zurück?

Habt ihr Smaragdeidechsen in Wäldern beobachtet? Dann freuen wir uns über eure Meldungen. Teilt uns auch eure Urlaubsbeobachtungen aus den südlicheren Lebensräumen mit. Jede Beobachtung hilft dabei, die Lebensweise dieser faszinierenden Art besser zu verstehen und die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Lebensräume wissenschaftlich zu dokumentieren.

Waldlebensraum der Smaragdeidechse
Vorallem die Waldränder sind ideale Lebensräume der Westlichen Smaragdeidechse

Schreibt uns am besten per Mail an a.schaeberle@smartastic.de

Wir werden die gesammelten Ergebnisse auch hier präsentieren. Am besten dokumentiert sind eure Beobachtungen auf einem Foto. Bilder sagen meist mehr als 1000 Worte. Um etwas zu dokumentieren muss es auch nicht immer hundertprozentig scharf oder richtig belichtet sein. Zeigt uns eure Bilder . Entweder an die Mailadresse oder markiert uns bei Facebook oder Instagram. Da findet ihr uns immer als die Echsperten.

Weitere Artikel von uns findet ihr in unserem Blog,

Bücher und Shirts aus unserem Haus findet ihr hier.

- 3. August 2026
Tags | Smaragdeidechse

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1 Kommentar

  • Dietmar Schulz 3. August 2026 at 21:35

    Hallo Andreas,
    wir haben im August 2019 auch viele Lacerta viridis am Osthang des Leithagebirges bei Donnerskirchen (Burgenland) im Wald beobachtet. Es ist dort ein lichter Eichenwald mit Flaum- und Zerreiche.
    Viele Grüße, Andrea und Dietmar

    Reply
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